a) Band IV
„Nominalflexion“ der von Manfred
Mayrhofer herausgegebenen Indogermanischen Grammatik. In Abwägung verschiedener
theoretischer Ansätze soll ein in sich stimmiges und materialadäquates
Gesamtbild der urindogermanischen Flexionsmorphologie und ihrer Entwicklungstendenzen
vermittelt werden.
b) „Lexikon
der indogermanischen Nomina“ (LIN) als
Gegenstück zum „Lexikon der indogermanischen Verben“.
c) „Indogermanische
Primäradjektiva“ (Rekonstruktion des
Bestandes).
Das Projekt „Indogermanisches Nomen“ verfolgt
in seinen drei Teilprojekten das gemeinsame Ziel, unter Anwendung einer
konsequent historisch-vergleichenden Methodik Bestand, Bilderegeln und Flexion
der urindogermanischen Substantiva und Adjektiva zu erschließen, um von diesem
Ausgangspunkt her die einzelsprachlichen Fakten und Entwicklungstendenzen zu
beurteilen. Die Zusammenführung von Theorie und Materialbefund im Bereich des
Nomens stellt auf dem gegenwärtigen Forschungsstand ein dringendes Desideratum
dar, da nach den bereits vorliegenden Erkenntnissen einerseits nicht mehr
‘theoriefrei’ mit dem Material gearbeitet werden kann, andererseits
ohne gründliche und vollständige Erfassung des relevanten Materials keine Bewertung
theoretischer Ansätze möglich ist.
Die drei geplanten Teilprojekte sollen daher parallel
bearbeitet werden, wobei Einzelergebnisse aus einem Teilprojekt jeweils der
Arbeit in den beiden übrigen zugute kommen werden.
Teilprojekt a) Der Band „Nominalflexion“ der Indogermanischen
Grammatik wird, dem vorgegebenen Handbuchcharakter entsprechend, eine
theoretisch fundierte Darstellung der urindogermanischen Nominalendungen und
nominalen Flexionsparadigmen bieten, soweit diese der vergleichenden oder auch
internen Rekonstruktion zugänglich sind, die grundsprachlichen Bilderegeln
festzustellen versuchen und die wichtigsten Entwicklungstendenzen der
indogermanischen Einzelsprachen beschreiben. Das wichtigste Bewertungskriterium
für Theorien über Flexionsablaut, paradigmatischen Akzentwechsel, funktionale
Eigenschaften von Flexionstypen und interne Derivation ist neben der inneren
Stimmigkeit die Materialadäquatheit. Aus diesem Grunde muß der Abfassung des
Bandes eine auf Vollständigkeit angelegte Arbeit am einzelsprachlichen Material
und an der Rekonstruktion der urindogermanischen Verhältnisse vorausgehen. Zum
Vorgehen s. unten.
Teilprojekt b) Um das relevante Belegmaterial zu erfassen,
historisch-vergleichend zu bearbeiten und durch konsequente Rekonstruktion die
urindogermanischen Ausgangspunkte der einzelsprachlichen Bildeweisen zu
erkennen, soll von den Projektmitarbeitern nach dem Vorbild des Lexikon der
indogermanischen Verben (LIV) ein Lexikon der
indogermanischen Nomina (LIN) erstellt werden. Dieses Lexikon soll unter
Anlegung der heutigen, gegenüber früheren Werken sehr strengen Maßstäbe den
Bestand an urindogermanischen Substantiva und Adjektiva ermitteln, einzelsprachliche
Neubildungen, die nicht ohne weiteres als solche erkennbar sind, unter Angabe
der Argumente identifizieren und die verbleibenden Zweifelsfälle kennzeichnen.
In einem Vorwort sollen die urindogermanischen Bildungs- und Flexionstypen
aufgeführt und die bei ihrer Realisation wirksamen Regeln angegeben werden,
einschließlich der Regeln über Anwendungsbereich, Funktion und syntaktische
Verwendung.
Das Lexikon der indogermanischen Nomina wird nicht nur als
Grundlage für die Weiterforschung im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft
dienen können. Die Rekonstruktion des urindogermanischen Bestandes wird,
insbesondere im Bereich der Substantiva, auch für die frühgeschichtliche
Archäologie und für die historische Anthropologie von Bedeutung sein. Auf der
anderen Seite wird die Rekonstruktion der urindogermanischen Bildeweisen und
Bilderegeln, auch als Grundlage für die Aufdeckung und Beurteilung
einzelsprachlicher Entwicklungstendenzen, das Datenmaterial der
allgemein-sprachwissenschaftlichen Typologie vermehren und korrigieren, die auf
möglichst zuverlässige Daten dieser Art angewiesen ist. Zum Vorgehen s. unten.
Teilprojekt c) Die Feststellung, ob ein rekonstruierbares Wort zum
urindogermanischen Bestand gehört hat oder gehört haben kann, ist nur durch die
Anwendung von Beurteilungskriterien und die Abwägung der sich daraus ergebenden
Argumente möglich. Die Ergebnisse entsprechender Forschungen, die im Projekt
„Indogermanisches Nomen“ teils überprüft, teils neu gewonnen werden
müssen, sollen mitsamt den ausschlaggebenden Argumenten im LIN niedergelegt
werden. Es versteht sich aber, daß die eigentliche Argumentation in einem
Lexikon nicht wiedergegeben und für Mitforscher überprüfbar gemacht werden
kann. Um diesem Mangel abzuhelfen, ist für den Bereich der primären Adjektiva,
die einerseits - im Vergleich zu Verbalabstrakta und Nomina agentis - wenig
bearbeitet sind, sich aber andererseits wegen zahlreicher Erbwörter für eine
entsprechende Untersuchung besonders eignen, eine Spezialuntersuchung geplant.
Zum Vorgehen s. unten.
Da die Projektmittel nicht im geplanten Umfang
zur Verfügung standen, konnten nicht alle Teile des Projekts verwirklicht werden.
Grundsätzlich sollen alle erfaßten Daten baldmöglichst in
EDV-Dokumente eingetragen werden, so daß sie jederzeit ohne mehrfache
Abschreibprozesse übertragbar sind. Das Verfahren soll im einzelnen so
ablaufen:
1)
Zunächst ist das einschlägige Material zu erfassen, also die rekonstruierbaren
Nomina samt Flexionsformen und die Nominalbildungs- sowie Flexionsregeln der
uridg. Grundsprache. Im ersten Arbeitsgang sind demnach alle einzelsprachlichen
Nominalbildungen und nominalen Einzelformen zusammenzutragen, die ererbt sind
oder ererbt sein könnten, weil sie entweder genaue Entsprechungen in anderen
idg. Sprachen haben oder innerhalb der betreffenden Einzelsprache etymologisch
undurchsichtig bzw. nach nicht erst einzelsprachlichen Regeln gebildet sind.
2)
Als zweiter Schritt ist eine Überprüfung des Materials auf dem heutigen Stand
der Forschung erforderlich. Dabei ist alles einzugeben, was innerhalb der
jeweiligen Einzelsprache an relevanten Aussagen gewonnen werden kann (z. B.
relative Regularität und Durchsichtigkeit, mögliche Wirkung produktiver Regeln,
Neubildung?), es ist auch jeweils etwa vorhandene spezielle Fachliteratur zu
den betreffenden Wörtern auszuwerten und gegebenenfalls in die theoretisch
orientierte Datei zur „Nominalflexion“ aufzunehmen.
3) Nachdem
das Material aufbereitet ist, sind die vorliegenden Angaben dann einer erneuten
Prüfung zu unterziehen, durch die nach den Prinzipien der vergleichenden
Rekonstruktion festgestellt wird, ob und auf welcher Grundlage die betreffenden
Wörter für die Grundsprache rekonstruierbar sind, gegebenenfalls auch, welche
einzelnen Flexionsformen direkt vergleichend rekonstruiert werden können und so
Evidenz liefern, die von morphologischen Theorien unabhängig ist. Sofern
möglich, ist zudem die weitere Etymologie festzustellen, insbesondere die
Möglichkeit einer Derivation von einer bekannten Verbalwurzel, einem
Verbalstamm oder einem anderen Nomen sowie deren semantische Implikationen. So
erhält man eine verwertbare Sammlung (potentiell) grundsprachlicher Lexeme, die
auch schon erste Angaben über Besonderheiten der Flexion und der
(möglicherweise) flexionstypspezifischen Semantik enthält.
Das so rekonstruierte und gegliederte Material kann dann für die Teilprojekte
ausgewertet werden; eine abschließende Rekonstruktion für das LIN (Teilprojekt b) kann erst in
einem fortgeschrittenen Stadium des Teilprojekts a)
„Nominalflexion“ erfolgen, nachdem
theoretische Vorentscheidungen gefallen sind.
Die Arbeit an dem Band „Nominalflexion“ ist im
Wesentlichen von der Projektleiterin als Verfasserin des Bandes zu leisten. Sie
fällt insoweit mit der Arbeit an den beiden anderen Teilprojekten zusammen, als
das darzustellende Belegmaterial zusammengestellt, überprüft und aufbereitet
werden muß.
Einen erheblichen Mehraufwand erfordern hingegen die
übrigen Abschnitte des Bandes. Für die theoretischen Teile, die dem
Handbuchcharakter entsprechend nicht nur eine so gut wie möglich begründete
Position vertreten, sondern auch Alternativpositionen nennen und (in der
gebotenen Kürze) bewerten sollen, muß die Fachliteratur nach eigenen, über das LIN hinausgehenden Fragestellungen
durchgearbeitet werden. Entsprechendes gilt auch für die der Entwicklung
einzelsprachlicher Paradigmen gewidmeten Teile, auf die im Hinblick auf
nicht-indogermanistische Benutzer des Handbuchs, aber auch wegen der Bedeutung
des einzelsprachlichen Materials als faktische Argumentationsgrundlage, die
nötige Sorgfalt zu verwenden ist.
Wegen der gekürzten Mittel konnte die Materialbasis für
diesen Projektteil nicht erstellt werden.
Das wie oben
beschrieben aufbereitete Material soll zuletzt gemäß den theoretischen
Erkenntnissen des Teilprojekts a)
„Nominalflexion“ insgesamt nochmals
überprüft und dann in Form eines Lexikons der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
werden. Da dieses als Gegenstück zum LIV fungieren soll, sollte es ähnlich aufgebaut sein.
a)
Demnach ist in einem Vorwort eine knappe Übersicht über die Typen der idg.
Nominalflexion zu geben, die vom Lemmateil vorausgesetzt wird und deren Inhalt
sich aus den Ergebnissen des Teilprojekts a) ergibt.
b) Vor allem aber müssen die vorliegenden Materialien zu den Einzelwörtern in
(möglichst übersichtliche) Lemmata des Lexikons umgewandelt, also im
wesentlichen neu geordnet und mit den notwendigen Anmerkungen versehen werden.
Gegenüber dem LIV sind dabei gewisse Unterschiede zu beachten: anders als bei
diesem müssen Stämme und nicht Wurzeln als eigene Lemmata behandelt werden, da
einerseits die von einer Wurzel abgeleiteten Nomina mehrere eigene Lexeme
darstellen und andererseits die „Elementarwörter“ oft nicht weiter
analysierbar sind. Das Vorgehen läßt sich etwa so beschreiben:
Zunächst ist als Lemmaeintrag der betreffende
Stamm anzusetzen, jeweils mit den vorliegenden Allomorphen (starker Stamm ~
schwacher Stamm), bei Substantiven mit Angabe des Genus. Darunter ist die
rekonstruierte Wortbedeutung anzugeben. In einer weiteren Zeile soll die
abgekürzte Angabe des Flexionstyps erfolgen (z. B. HyD = hysterodynamisch),
gefolgt von charakteristischen Kasusformen, standardmäßig wohl Nom. Akk. Gen.
Sg., gegebenenfalls auch Lok. Sg. und weitere, sofern von besonderer Bedeutung
oder als Einzelformen rekonstruierbar. Eingerückt ist dann in knapper Form (und
standardisierter Reihenfolge) das einzelsprachliche Material anzuführen, mit
Angabe der Wortbedeutung und relevanter Umbildungen. Dabei sollten grundsätzlich
belegte Formen aufgeführt werden, aber auch Stammansätze, soweit dies für die
betreffende Sprache sinnvoll ist. Erläuterungen zu der knappen Lemmadarstellung
werden darunter in stichwortartigen Anmerkungen gegeben, die auch auf die
genannte Sekundärliteratur verweisen, die in einem getrennten
Literaturverzeichnis vollständig aufzuführen ist. Da mit der Endredation die
eigenverantwortliche Entscheidung zwischen Alternativlösungen verbunden sein
kann, soll jeder Mitarbeiter die von ihm redigierten Lemmata mit seinem
Namenskürzel zeichnen; wird die Fassungdes ersten Bearbeiters (weitgehend)
übernommen, so ist dessen Kürzel mit anzugeben.
Leider konnte durch die Verringerung der
benötigten
Eine Arbeit über die „indogermanischen
Primäradjektiva“ mit Schwergewicht auf der Rekonstruktion des Bestandes
plant Dagmar S. Wodtko als Habilitationsschrift. Obwohl ihre Planung von dem
Freiburger Nominal-Projekt unabhängig erfolgt ist, wird die Arbeit hier als Teilprojekt c) geführt. Dieses
Verfahren wurde deshalb gewählt, weil die geplante Arbeit nach Thema,
Gegenstand und erwarteten Ergebnissen vollständig in den Bereich des
Nominalprojekts fällt und das Projekt auf die Ergebnisse der hier investierten
Arbeitsleistung angewiesen ist.
Wegen der gekürzten Mittel (s. oben) konnte dieser
Projektteil nicht mehr verwirklicht werden.
·Prof. Dr.
Eva Tichy, Seminardirektorin, Projektleiterin
·Dr. Martin
Joachim Kümmel, Wiss. Assistent
·Dr. Dagmar S.
Wodtko, Wiss. Mitarbeiterin
·Dr. Britta
Irslinger, Wiss. Mitarbeiterin
·
·Naima Tahiri, M. A.,
Verwaltungsangestellte des Seminars (ab 3/2003)
·Luise Lummel, Sekretärin
des Seminars (12/2002 bis 1/2003)
·Ruth C. Jenne, Sekretärin
des Seminars (10/2001 bis 5/2002)
·Mag. Stefan
Schumacher, Ph.D., Wiss. Mitarbeiter (bis 31.1.2002)
·Katharina Kupfer, M. A.,
Wiss. Mitarbeiterin (bis 31.1.2002)
·Irene Hildenbrand,
Sekretärin des Seminars (bis 9/2001)
·Douglas Fear, M. A.,
Wiss. Mitarbeiter (bis 31.3.2001)
·Reinhold Plöchl, M. A.,
Wiss. Mitarbeiter (bis 31.1.2001)
Stand: 19. November 2007 MJK